Quincy Jones: Interviews

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      Treffen mit einer Legende – Musikproduzent Quincy Jones

      Bildunterschrift: Quincy Jones spricht in ttt über seine Karriere und über den Wandel in der Musikindustrie.
      Den Ruhestand hätte er sich längst verdient: Gut 50 Jahre nachdem er Platten für Ella Fitzgerald, Frank Sinatra und Sammy Davis junior produziert hat. 35 Jahre nach Michael Jacksons "Thriller", dem von ihm erfolgreichsten Album der Welt. Und nach unzähligen Preisverleihungen, an denen er als Produzent, Musiker und Komponist teilgenommen hat: 27 Grammys, den renommierten "Polar Music Prize" und einen Ehren-Oscar konnte er mit nach Hause nehmen. Aber Quincy Jones, mittlerweile 84 Jahre alt, macht immer weiter: beim "Jazz Open" in Stuttgart gastierte er gerade mit George Benson, Dee Dee Bridgewater und Jacob Collier. In ttt spricht er über seine Karriere und über den Wandel in der Musikindustrie, die er wie kaum ein anderer kennt.
      Stand: 20.07.2017 17:58 Uhr
    • Das Interview wurde heute vervollständigt: Wird heute um 23.50 Uhr in Titel, Thesen, Temperament ausgestrahlt

      Quincy Jones ist Bandleader, Arrangeur, Songwriter und der wohl weltweit bedeutendste Musikproduzent. Beim "Jazz Open" in Stuttgart gastierte er gerade mit George Benson, Dee Dee Bridgewater und Jacob Collier. "Quincy Jones ist der beste Freund, den ein Song je haben kann", sagt George Benson. "Wenn du einen Song in seine Hände gibst, holt er alles aus ihm raus."
      Zusammenarbeit mit Michael Jackson

      "Quincy hat so viele Talente", sagt Dee Dee Bridgewater.
      ttt trifft Quincy Jones zu einem seiner seltenen Interviews. Mit 84 Jahren mischt er noch immer ganz oben im Musikgeschäft mit. "Ich fange gerade erst an", erzählt Quincy Jones. "Ich habe vor zwei Jahren mit dem Trinken aufgehört und mache im Moment zehn Filme, sechs Platten, vier Broadway Shows. Ganz schön viel." Sein größter internationaler Erfolg war die Zusammenarbeit mit Michael Jackson in den 80er- und 90er-Jahren. "Quincy hat so viele Talente", sagt Dee Dee Bridgewater. "Aber wegen Michael Jackson übersehen die meisten seine Liebe zum Jazz."
      Jazz als Fundament
      Quincy Jones beschreibt seine Liebe zum Jazz so: "Das ist mein Fundament, meine Seele, meine Lebenseinstellung." Er fängt an als Jazztrompeter, gründet seine eigene Band und landet bereits Anfang der 60er-Jahre mit Jugendfreund Ray Charles einen Nummer-Eins-Hit. "Willst du wissen, wie Ray Charles all die Mädchen gekriegt hat?", fragt er. "Er ist vor die Wände gelaufen, hat extra auf blind und hilflos gemacht. Ich kenne ihn, hab ihn lange beobachtet. Er hat mir übrigens beigebracht, Noten in Blindenschrift zu lesen."
      Mit sieben Jahren die Mutter verloren
      "Quincy Jones ist der beste Freund, den ein Song je haben kann", sagt George Benson.
      Quincy Jones erzählt, dass er mit sieben Jahren seine Mutter verloren hatte. "Bei uns in Chicago kannte ich nur Hinterzimmer mit Geldstapeln und Zigarrenqualm, Leichen und Maschinenpistolen. Die Welt dieser Typen gefiel mir, das wollte ich auch. Doch dann ging ich an die Westküste, nach Seattle, und die Musik rettete mich. In Chicago wäre ich längst tot oder im Gefängnis gelandet, als Gangster. Baby-Ganster."
      Musikgeschichte auch jenseits des Jazz
      Stattdessen: Musik Musik Musik. Mit seinen Arrangements für Frank Sinatra zum Beispiel schrieb Jones Musikgeschichte auch jenseits des Jazz. Er trägt noch immer den Ring, den Sinatra ihm geschenkt hat: "Mein ganzes Leben schon. Den werde ich nie abnehmen", sagt Quincy Jones. Ob er Frank Sinatra vermisst? "Oh, sehr. Übrigens: Damals ernteten die Sänger in Bigbands echten Respekt nur, wenn sie singen konnten wie ein Saxophon-Spieler – diese Phrasierung, das ist sehr wichtig. Und Frank konnte das. Wie ein Jazz-Saxophon. Lässig."
      "Ein guter Song soll deine Seele lächeln lassen"
      Kaum einer, mit dem Quincy Jones nicht gearbeitet hat: Miles Davis, Aretha Franklin, Stevie Wonder, Charles Aznavour. Was macht für ihn einen guten Song aus? "Eine starke Melodie – wie die Stimme Gottes", sagt Quincy Jones. "Ein guter Song darf deine Erwartung nicht enttäuschen, soll deine Seele lächeln lassen. Dabei ist die Kraft des Songs immer größer als die des Sängers. Der Sänger ist der Botschafter, der Song ist die Kraft. Und einen schlechten Song kann auch der beste Sänger nicht retten. Das steht fest."
      Erfolgreiche Talentsuche

      Quincy Jones sei "enthusiastisch wie vor 60 Jahren", sagt Jacob Collier.
      "Thriller" mit Michael Jackson wurde zu einem der größten Platten- und Videohits aller Zeiten. Jones' Talentsuche zahlte sich aus. "Ich habe Michael als Zwölfjährigen kennengelernt, ebenso Aretha Franklin und Stevie Wonder", erzählt er. "Da hatte er gerade 'Fingertips' rausgebracht . Und Stevie macht immer weiter, stark wie eh und je." Auf Youtube findet Jones einen Coversong von Stevie Wonder – selbst gemacht von Jacob Collier. Spontan nimmt er ihn unter Vertrag. "Ein Wahnsinnsgenie. So etwas habe ich noch nie gesehen", erinnert er sich. Und Jacob Collier sagt: "Sein Denken kommt aus einer anderen Zeit, aber er ist so enthusiatisch wie vor 60 Jahren."
      "Seit 700 Jahren dieselben zwölf Töne"
      Braucht die Welt noch Produzenten, wenn heute jeder Musiker am Laptop sein eigenes Ding machen kann? "Ach, ich gebe nichts um diesen ganzen Kram", sagt Quincy Jones. "Das einzige, was zählt, ist dein Urteil, dein Gefühl für Qualität. Egal wie du produzierst: Es kommt drauf an, wie du mit den Tönen umgehst – es sind dieselben zwölf, seit 700 Jahren. Brahms, Beethoven, Basie, Bo Diddley, Bird – zwölf Töne, bis heute."
      Stand: 23.07.2017 19:20 Uhr