25. Juni 2014

    • :Tova:

      hallo ihr lieben,

      ich möchte euch eine wunderbare nachricht aus den usa einstellen, die mich in abwesenheit (urlaub) erreicht hat..
      bzw. es werden photos sein, wenn ichs hinkriege...

      Bilder
      • Untitled.jpg

        50,35 kB, 467×351, 92 mal angesehen
      • Untitled1.jpg

        69,06 kB, 433×648, 97 mal angesehen
      • Untitled2.jpg

        47,12 kB, 479×285, 100 mal angesehen
      • Untitled3.jpg

        116,24 kB, 480×638, 96 mal angesehen
    • 5. Todestag von Michael Jackson

      Ferien mit dem Märchenprinzen
      26. Juni 2014, 07:00 Uhr

      Als 14-Jährige war ich wie jeden Sommer mit meinen Eltern in Dänemark, doch in jenem Jahr nahm ich Michael Jackson mit - als Poster.
      Wir waren ein schönes Paar. Vor fünf Jahren holte mich das ein.

      Von Pia Düsterhus

      Zwischen meinem 5. und 15. Lebensjahr ging es in jedem Sommer nach Dänemark, meist Fanø. Mit vierzehn Jahren nahm ich ein Poster mit und hängte es über das Etagenbett. Darauf war Michael Jackson abgebildet, ein Portrait, das etwa bis zur Hüfte reichte. Er trug eine weiße Hose, ein weißes Hemd und eine zitronengelbe Weste darüber. Seine Haut war samtig und dunkel, nicht schwarz. An der Weste über der Brust glitzerte ein Orden und über der Stirn in den schwarzen Haaren ein schmales Diadem (oder dichte ich mir das hinzu?).

      Ich fand, er war wie ein schöner, geheimnisvoller Prinz aus dem Morgenland. Zu diesem Zeitpunkt sah er noch aus wie ein Mann, ein sehr junger, unerfahrener Mann, oder in diesem Fall ein unerfahrener junger Prinz, - fremdartig genug, um mich bei seinem Anblick weit über Fanøs Grenzen hinweg in die Welt der heißen Erfüllungen zu fantasieren. Ich hängte das Poster nach einigen Tagen um, und zwar seitlich neben den Spiegel, leicht oberhalb meiner Augenhöhe, sodass aus einem bestimmten Winkel er und ich quasi nebeneinander stehend von mir betrachtet werden konnten. Wir waren ein schönes Paar.

      Der Retter der Welt
      In dem Jahr vor dem Urlaub hatte ich diverse Fantasyromane konsumiert, in denen nichtsahnende Auserwählte die Welt retten müssen und nach etlichen Prüfungen sowohl einander als auch ewige Glückseligkeit finden. Ich hatte mir hier die jugendlichen Helden bereits ein bisschen so wie den Mann auf dem Poster vorgestellt. Gleichzeitig begann die Blütezeit der Musikvideos und -sendungen. Jacksons Album besaß ich nicht, ich hatte noch nicht einmal einen eigenen Plattenspieler, aber man hörte "Billie Jean" überall und konnte auch das inhaltlich ein wenig rätselhafte Video mit den aufleuchtenden Gehwegplatten allwöchentlich bestaunen. Seine kindliche Stimmlage war für mich ideal zum Mitsingen. Seine Körpersprache - zwingend, zuckend, elektrisch - schien auch meine eigene innere Spannung zu beantworten. Ein paar Monate nach dem Urlaub lagen die Jugendbücher herum, und ich tauschte meinen ersten Kuss auf einer Kirmes mit einem 16-jährigen Inder, der etwa die gleiche Hautfarbe wie Jackson und ich glaube sogar auch eine gelbe Weste hatte. Das Poster landete im Müll - es blieb das einzige, das jemals an meiner Wand hing.

      Mit erwachsenen Augen
      In dem Sommer, als Jackson dann auf einmal tot war, hielt ich mich zufällig wieder in Dänemark auf, nicht auf Fanø, aber ähnlich. Im Urlaub mit meinem Sohn. Die Berichterstattung in den Tagen nach seinem Tod mit den Reportage-Dauerschleifen ließ ich in einer absurden Intensität auf mich einwirken, als handele es sich um eine eigene lebensgeschichtliche Zäsur. Ich lud mir - erstmalig - alle Platten herunter und entdeckte alte Stücke aus der Motown-Zeit, die ich im Radio bereits in meiner Kindheit gehört, aber niemals ihm zugeordnet hatte. Ich las die Rückblicke in den Zeitschriften. Ich entwickelte Theorien zu seinem unvollständig erfolgten Stimmbruch, seiner Gesichts-OP-Sucht und zu dem Gefängnis intrafamiliärer Abhängigkeit.
      Ich suchte den Wendepunkt in dieser bizarren Biografie eines frühzeitig Auserwählten, der anstatt sich selbst - oder womöglich der Welt - ewige Glückseligkeit sichern zu können, an seinem inneren Auftrag so erbärmlich scheitert und zugrunde geht, und fragte mich, wo um alles in der Welt denn bloß die Verbindung zwischen dieser Person und meiner eigenen Lebensgeschichte liegen könnte, dass mich sein Tod so bewegt.

      Da fand ich - natürlich - Respekt vor der Begabung und Verständnis für die Suchbewegungen einer gehemmt-getriebenen und bis zum Schluss sehnsüchtigen Gestalt. Und neben der Trauer um diese Projektionsfläche auch den Abschied von einer eigenen Lebensphase, wenn nicht Lebenshälfte. Aber am schwersten wog am Ende der nachträgliche Verdacht, an einer kollektiven Missbrauchsbeziehung teilgehabt zu haben. Ich weinte stundenlang vor dem Fernseher, während der Prinz aus dem Morgenland in der Trauerfeier vor der Weltöffentlichkeit von seiner Familie zurück in die schwarze Community geholt wurde.
      Mein Sohn kam vom Strand zurück und fragte: "Was ist mit dir eigentlich los?"


      stern.de/familie/beziehung/5-t…rchenprinzen-2119382.html
      Ich aber gelobte mir,
      mich niemals abstumpfen zu lassen
      und den Vorwurf der Sentimentalität
      niemals zu fürchten.

      Albert Schweitzer