Sänger Prince ist Tot

    • Heute erscheint eine Biografie über Prince:

      Neue Biografie über Prince Besessen von Musik

      Halle (Saale) -
      Als Prince am 21. April dieses Jahres an einer Überdosis Schmerzmittel starb, mischte sich unter die weltweit verbreiteten Nachrufe und Beschreibungen des Phänomens Prince die Diskussion, ob da ein Vollendeter oder ein Unvollendeter gegangen ist. Prince Rogers Nelson, im Sommer 1958 geboren (wie auch Madonna und Michael Jackson, die anderen beiden Superstars der 80er Jahre), wurde 57 Jahre alt.
      Kompromisslose Existenz
      Sein immenser künstlerischer Output (je nach Zählweise um die 50 Alben), wie auch seine in jeder Hinsicht kompromisslose Existenz als Künstler würden für mindestens zwei musikalische Biografien ausreichen. Es ist legitim zu fragen, ob mit seinem Tod sich nicht etwas schließt, das nun wohlgeordnet in den Olymp des Pops zur Anschauung für nachfolgende Generationen überstellt werden kann.

      Vom Bostoner Autor und Rechtsanwalt Alex Hahn liegt jetzt in deutscher Übersetzung die Neuauflage des Buches „Besessen. Das turbulente Leben von Prince“ (Hannibal Verlag, deutsch von Kirsten Borchardt) von 2003 vor. Wer sich eine Antwort auf obige Frage erwartet, wird enttäuscht sein. Auch wer hofft, etwas Neues, Unbekanntes aus dem Leben eines der größten Genies der Popmusik zu finden.
      Ein Buch für Prince-Fans
      Um es kurz zu machen: es ist ein Buch für Fans. Hahn teilt seine Lebensbeschreibung in zwei Teile, Aufstieg (von 1958 bis zum legendären Album „Sign O’ The Times“, 1987/88) und Fall (alles, was danach kommt). Erstaunlich ist, dass es sich um annähernd gleichgroße Teile handelt, obwohl ein künstlerischer (oder sonstiger) Fall sich doch mutmaßlich sehr viel schneller als der Aufstieg ereignet.
      Besessen – der Titel ist Programm und kürzestmögliche Zuschreibung in einem. Prince war der große Besessene unter den Giganten. Anders als Elvis Presley, der die 50er allein durch das Zucken der Beine und den Sex in der Stimme revolutionierte; anders als die „Beatles“, denen es der Gott des Songwritings im Schlaf gegeben hatte, beherrschte Prince die hedonistischen 80er wie kein anderer.
      Besessen von der Suche nach einer ultimativen Musik, kippte er den wohlsortierten Baukasten des Pop lustvoll aus und kreierte einen vollkommen neuen Klang aus R&B, Funk, Disco, Gospel und Soul bis hin zu Rock- und Jazzanleihen. Das ging lange gut und die 80er in ihrem flirrend-glitzernden Glücksversprechen auf ewige Jugend schienen der ideale Nährboden für diesen Sound zu sein.
      Musiker mit Kontrollwahn
      Viel Platz in Hahns Buch nimmt die Beschreibung des manischen Kontrollwahns von Prince ein. Glück und Tragik des Höchstbegabten, der letztlich alles allein will und macht, der die Instrumentaltracks kompletter Alben einspielt – eben weil er es kann. Der aber auch Herr über Rechte, Vertrieb und Deutung des Gesamtkunstwerks Prince sein möchte.
      Wo das Genialische derart üppig wuchert, ist der Wahnsinn oft nicht weit. Ausführlich wird die Geschichte des ebenso epochalen wie absurden Streits von Prince mit seiner Plattenfirma Warner Bros. erzählt, der dazu führte, dass der Künstler von 1993 bis Anfang der 2000er Jahre nur noch unter einem unaussprechlichen Synonym beziehungsweise unter der albernen Bezeichnung TAFKAP („The artist formerly known as Prince“) öffentlich agierte. Hahn nennt dieses Kapitel „Auf dem Kriegspfad“ und um einen solchen muss es sich wohl auch gehandelt haben.
      Ein Sonderling?
      Der unkontrollierte Ausstoß oft mittelmäßiger Platten (bis zu zwei Alben pro Jahr), kuriose Vertriebswege seiner Musik (mitunter als Beilage von Tageszeitungen) sowie sein Abdriften in religiöse Nischenveranstaltungen der Zeugen Jehovas führten dazu, dass er von der Öffentlichkeit als latent durchgeknallter Sonderling wahrgenommen wurde. Prince schien um das Jahr 2000 erledigt zu sein.
      Es mag Alex Hahn allerdings nicht in sein dualistisches Konzept von Aufstieg und Fall passen, dass Prince spätestens mit „Musicology“ (2004) ein weltweit registriertes und frenetisch gefeiertes Comeback-Album vorlegte, das nicht nur irgendwie an gute alte Zeiten anknüpft, sondern ein Brückenschlag in die Moderne, in die Zukunft des Pop zu sein schien.
      In der Hall of Fame des Rock’n’Roll
      Im gleichen Jahr wurde er (Zeit wurde es!) in die Hall of Fame des Rock’n’Roll aufgenommen. Ein Video vom März 2004 zeigt ihn als Teil einer Superband mit Tom Petty, Steve Winwood und Jeff Lynne, wahrlich keine unbedeutenden Vertreter der Zunft. Man spielt den George-Harrison-Klassiker „While My Guitar Gently Wheeps“.
      Immerhin verweist Hahn auf dieses Video, weil es anmutet wie die öffentliche Wiedergeburt des Genies Prince. Gleichsam ist das Gitarrensolo ab Minute 3.30 eines der inspiriertesten und energetischsten der Musikgeschichte, das auch heute noch die Herzen von Musikern höher schlagen lässt. Jeder Ton schreit lustvoll auf: Ich bin da!
      Gerne hätte man Prince noch in 20 Jahren in einem New Yorker Jazzclub erleben mögen, als Krönung eines grandiosen Alterswerks. Aber der Vorhang ist geschlossen. Man kann davon ausgehen, dass das Vollendete sich immer nur als ein momenthaftes Glückserleben empfinden lässt. Alles andere ist Biografie. (mz)

      mz-web.de/kultur/neue-biografi…sessen-von-musik-24376340

      oder hier:
      allgemeine-zeitung.de/lokales/…ten-todestag_17830306.htm

      Amazon:
      amazon.de/Prince-Die-Biografie…eywords=prince+biographie

      Eigentlich sollte es auch ein neues Album geben aber...

      Streit um Nachlass
      Gericht stoppt Veröffentlichung von Prince-EP

      Die geplante Veröffentlichung von bisher unveröffentlichten Songs des verstorbenen Popstars Prince ist gerichtlich gestoppt worden. Wie das US-Promiportal "TMZ" unter Berufung auf Gerichtsdokumente am Mittwochabend berichtete, erließ ein US-Bundesrichter auf Antrag des Nachlassverwalters eine einstweilige Verfügung, wonach die EP mit dem Titel "Deliverance" (auf Deutsch: "Befreiung") nicht wie geplant am Freitag auf den Markt gebracht werden darf.
      Der Produzent George Ian Boxill wollte am ersten Todestag des Künstlers sechs neue Songs veröffentlichen. Das Gericht allerdings stellte fest, Boxill habe augenscheinlich nicht das Recht dazu. Der Richter bezog sich nach dem Bericht auf eine Vertraulichkeitsvereinbarung, die der Produzent unterschrieb, als er vor mehr als zehn Jahren mit Prince zusammenarbeitete.
      Die Aufnahmen stammen aus der Zeit von 2006 bis 2008 und wurden von Boxill als Toningenieur aufgenommen. Er habe sie in den Monaten nach Prince' Tod vollendet. In einer Pressemitteilung wird Boxill mit den Worten zitiert, Prince habe ihm gesagt, er denke jeden Abend im Bett darüber nach, wie er die großen Plattenfirmen umgehen und seine Musik direkt ans Publikum bringen könne. Das Label, auf dem die "Deliverance"-EP erscheinen soll, heißt Rogue Music Alliance - Schurkenmusikallianz.

      Die EP, die schon von mehreren Millionen Fans vorbestellt worden ist, kann zurzeit nicht mehr geordert werden, die betreffende Internetseite ist aus dem Angebot von iTunes verschwunden. Mit der Vorbestellung war allerdings automatisch der Titelsong "Deliverance" zum Download bereitgestellt worden, was viele genutzt haben dürften. Auch bei Amazon ist "Deliverance" nicht mehr zu finden.
      Boxill schickte eine Antwort auf die Klage, deren Inhalt das Gericht zunächst unter Verschluss hielt. Prince' Erben haben die Herausgabe aller Masterbänder und Kopien der Aufnahmen gefordert. Der Musiker war am 21. April 2016 an einer versehentlichen Überdosis verschreibungspflichtiger Schmerzmittel gestorben.

      spiegel.de/kultur/musik/prince…m-nachlass-a-1144012.html

      Siehe auch:

      tagesspiegel.de/kultur/erster-…rben-klagen/19697068.html
    • Neu

      Prince: So klingt das Mini-Album „Deliverance“

      • vonJörg Heinrich

      Zum ersten Todestag sollten unbekannte Lieder von Prince erscheinen – ein US-Gericht stoppte die Veröffentlichung. Verlierer sind die Fans – denn „Deliverance“ ist erstaunlich gut.
      David Bowie, Prince, Leonard Cohen, George Michael und manche mehr – 2016, das Jahr, in dem so viele Musiklegenden ihre Instrumente für immer zur Seite legen mussten, schmerzt bis heute. 2017 bringt mit den ersten Todestagen die Erinnerungen zurück. Doch zumindest die Fans von Prince, der heute vor einem Jahr starb, sollten nicht trauern, sondern feiern und „neue“ Musik hören. Denn für diesen Freitag war die Veröffentlichung der ersten Platte aus dem Nachlass des Soul-Superstars geplant. Doch in den vergangenen Tagen entwickelte sich um die EP „Deliverance“, ein Mini-Album mit sechs bisher unveröffentlichten Songs, ein wahrer Krimi. Letzter Stand: Ein US-Bundesgericht verhinderte auf Antrag des Nachlassverwalters per einstweiliger Verfügung, dass „Deliverance“ heute erscheinen kann. Der kleine Mann aus Minneapolis ist auch ein Jahr nach seinem Tod noch für einen großen Skandal gut.
      Der Schaffenswütige hinterließ ein gewaltiges Archiv
      57 Jahre war Prince nur alt, als er mutmaßlich an einer Überdosis Schmerzmittel starb. Doch die Zeit reichte aus, um ein gewaltiges Privatarchiv zu hinterlassen. Der schaffenswütige Musiker hortete hunderte, wenn nicht sogar tausende von unveröffentlichten Songs. Die ersten dieser Tracks sollten nun auf „Deliverance“ erscheinen, das bereits millionenfach vorbestellt wurde. Sie entstanden zwischen 2006 und 2008 und wurden von George Ian Boxill, dem langjährigen Toningenieur der Paisley Park Studios, fertiggestellt. Der Titelsong war bereits seit Dienstag auf Apple Music zu hören – und machte Lust auf mehr. Eine bombastische Ballade hat Prince da hinterlassen zwischen Blues und Gospel, mit Falsett, mit Orgel, mit einem mächtigen Gitarrensolo, und natürlich mit Gott, dem Herrn, im Text. Kurzum: Mit allem, was dazugehört zu einem hinreißend exaltierten Prince-Song.
      Nun ist das Stück aus dem Netz verschwunden, zahllose Fans haben es aber längst heruntergeladen. Laut der US-Website KSTP haben die Erben von Prince Boxill verklagt, weil der Toningenieur angeblich gar keine Rechte an den Liedern hat. Demnach ließ er sie aus dem Studio schlichtweg „mitgehen“, um sie nun zum Todestag über die kleine christliche Plattenfirma RMA auf den Markt zu bringen. Zudem soll Boxill Prince in einer Vertraulichkeitsvereinbarung zugesichert haben, die Stücke niemals zu veröffentlichen.

      Irrungen und Wirrungen um den Nachlass

      Die dubiose Geschichte passt zu den Irrungen und Wirrungen rund um den Prince-Nachlass. Erst im Februar hatte der US-Konzern Universal die Rechte an den unveröffentlichten Songs erworben und eine Vermarktung zugesichert, „die dem Status von Prince als Ikone gerecht wird“. Nach detaillierter Prüfung stellten die Universal-Anwälte dann fest, dass das Erbe völlig unüberschaubar geregelt ist. Nun steht das Rechtepaket angeblich schon wieder zum Verkauf.
      Verlierer sind die Fans von Prince, die auf „neue“ Musik gehofft hatten. Denn in Anbetracht der dubiosen Umstände, unter denen „Deliverance“ postum erscheinen sollte, ist die EP erstaunlich gut gelungen. Herzstück ist eine vier Stücke lange Mini-Oper namens „Man Opera“, die kühn zwischen Ballade, stampfendem Rock und Klassik-Anleihen wechselt.
      Doch derzeit ist völlig unklar, ob „Deliverance“ je offiziell erscheint – oder ob die Platte, wie 1987 das legendäre unveröffentlichte „Black Album“ von Prince, nun jahrelang auf dem Schwarzmarkt durch die Szene geistert.

      merkur.de/kultur/prince-so-kli…-deliverance-8195814.html


      Prince: Neue Single „Deliverance“ wieder im Verkauf, EP bleibt unter Verschluss
      21. April 2017 von Rolling Stone

      Nachdem ein Gericht die für Freitag (21. April) geplante Veröffentlichung einer neuen EP von Prince gestoppt hat, darf immerhin der Titeltrack weiter angeboten werden.
      Millionen von Fans hatten sich schon auf die „Deliverance“-EP mit bisher unbekannten Songs von Prince gefreut. Doch ein Bundesrichter erließ am Donnerstag (20. April) auf Antrag des Nachlassverwalters im letzten Moment eine einstweilige Verfügung, dass die Lieder nicht verkauft werden dürfen. Produzent George Ian Boxill, der die Tracks im Laufe des vergangenen Jahres fertiggestellt hatte, wurde das Recht aberkannt, die Songs auf den Markt zu werfen. Sie wären Am Freitag (21. April) zum ersten Todestag des Sängers erschienen.
      Wie nun „Billboard“ berichtet, betrifft dies zwar fünf der Stücke, die sich auf der EP finden – nicht aber den Titeltrack. Amazon und andere Verkaufsportale hatten die EP sofort nach dem Bekanntwerden des richterlichen Beschlusses aus dem Sortiment genommen. Doch „Deliverance war bereits am Mittwoch (19. April) auf Apple Music zu hören.

      PRINCE HATTE WICHTIGE RECHTSFRAGEN ZU LEBZEITEN GEKLÄRT
      Die Single erscheint unter dem Label RMA (Rogue Music Alliance) – und wie „Billboard“ anmerkt, bezieht sich die Klage gegen Boxill und die geplante Veröffentlichung der neuen EP nicht auf das Titelstück. Das Lied kann nun exklusiv auf einer eigenen Website von RMA erworben werden.



      deliverance.is/athand

      Wie die Nachlassverwalter von Prince am Donnerstag (20. April) mitteilten, hatte Produzent Boxill noch zu Lebzeiten des Sängers einen Vertrag unterschrieben, der es ihm untersagte, Aufnahmen von Prince selbstständig auf den Markt zu werfen. Prince hatte mit solchen Kontrakten versucht, sein vollständiges künstlerisches Material gegen marktwirtschaftliche Interessen von Labels und Geschäftsmännern zu verteidigen.
      Am 09. Juni erscheinen unterdessen nicht nur zwei bisher unbekannte Konzertfilme des Musikers, sondern auch ein neu bearbeitetes Reissue von „Purple Rain“. Highlight des Sets sind neben B-Sides, neuen Fassungen einzelner Stücke und einem Konzertfilm aus dem Jahr 1985 vor allem eine Scheibe mit bisher unveröffentlichten Tracks aus dem legendären ‘Vault‘.



      rollingstone.de/prince-neue-si…unter-verschluss-1234489/
    • Neu

      Prince "Purple Rain"
      „Purple Rain“ ist bis heute Prince’ erfolgreichste Platte, und sie
      gilt als sein Meisterwerk. Die Zerrissenheit des Künstlers darauf ist
      nicht zu überhören.





      Bei einer Tourbus-Fahrt durch den mittleren amerikanischen Westen kam ihm die Idee. Eine Art Springsteen-Hymne wollte Prince
      komponieren, bombastisch und aufrichtig. Nach getaner Arbeit rief er
      dann Journey-Keyboarder Jonathan Cain an, fragte ihn, ob „Purple Rain“
      wenigstens eine Ähnlichkeit mit deren „Faithfully“ aufweise. Der Song
      „Purple Rain“ von 1984 gilt heute als einer der signifikantesten von Prince,
      und er klingt wie aus dem Ärmel geschüttelt, einfach, stringent,
      Hitparaden-Futter. Dabei war das Stück für den Sänger ein schwieriges
      Projekt. Mit der Single „Little Red Corvette“ und dem zwei Jahre zuvor
      erschienenen Album „1999“ gelangen ihm erste Top-Ten-Erfolge in den USA;
      Prince wollte nun, nach fünf Alben und acht Jahren im Musikgeschäft,
      den Durchbruch. Er benötigte einen Singalong.



      Das Stück hatte alles: fünf Minuten Gesang, ein Refrain, der aus dem
      sechsmal hintereinander gerufenen Titel bestand, am Ende ein
      dreiminütiges Gitarrensolo mit Chorstimme, ein Ausklang mit
      Publikums-Klatschen sowie langsam verebbenden Streichern. Nach 8:45
      Minuten war der Jubel unter den Fans groß. Der dazugehörige,
      gleichnamige Film, der Prince und Band auf dem Weg zum Ruhm zeigt,
      schien ihm gar eine Rolle als Kinostar zu ermöglichen: 80 Millionen
      Dollar Einspielergebnis, viel damals für einen Musikfilm. Am Ende
      erhielt der damals 26-Jährige Prince für den Song-Soundtrack einen
      Oscar.

      Vom Himmel in die Hölle
      Das dazugehörige Album „Purple Rain“, das nun 33 Jahre alt wird, ist
      heute Prince’ erfolgreichste Platte, und sie gilt als sein Meisterwerk.
      Die Zerrissenheit des Künstlers darauf ist nicht zu überhören, und das
      Werk ist deshalb auch nicht komplett gelungen. Mit dem letzten
      Albumdrittel, also dem Titelsong, „I Would Die 4 U“, indem er sich als
      Jesus inszeniert, sowie „Baby I’m a Star“ veröffentlichte Prince die bis
      dahin gewöhnlichsten, im schlechten Sinne freundlichsten Stücke seiner
      Karriere.

      Diese Lieder haben nichts von dem Sex, mit dem Prince seit den frühen
      Achtzigern nach vorne geprescht war, und sie klingen dem Konkurrenten Michael Jackson
      ähnlicher, als ihm lieb gewesen sein dürfte. Die bedeutenden Momente
      befinden sich weiter vorne, und sie machen „Purple Rain“ zumindest zu
      Prince’ bester Platte im Rock-Genre. Rezensenten waren in den Achtzigern
      noch verblüfft darüber, wie rockig dieser afroamerikanische Musiker
      auftrat; heute käme einem dieser Hinweis auf die Hautfarbe Gott sei Dank
      einfach nur blöd vor.



      Das pastorale Orgel-Intro „Let’s Go Crazy“, eine
      vom-Himmel-in-die-Hölle-und-zurück-Story, markiert seine vielleicht
      explosivste Zeit. Hier diskutierte Prince, der fortan mit verschiedenen
      Künstlerpersönlichkeiten arbeiten würde, darüber, ob sich ungezügelter
      Sex und Gottesfurcht miteinander vertragen. „The Beautiful Ones“ ist
      Hörbeispiel für eines der irrsten Kontrollverluste, die ein Künstler je
      auf Tonspur zugelassen hat: Im live eingesungenen Track steigert Prince
      sich in einen Eifersuchtsanfall hinein, an deren Ende er vor Verlangen
      nur noch kreischen kann – sein bis heute dramatischstes, und sein bis
      heute auch schönstes Lied (Video: die Band Phoenix über „The Beautiful Ones“).„Computer
      Blue“ begann mit einem – damals gewagten, heute eher kitschig wirkendem
      – gesprochenen Intro seiner Musikerinnen Wendy Melvoin und Lisa
      Coleman, die, damals auch privat ein Paar, lesbischen Sex ankündigen:
      „Wendy? – „Yes, Lisa.“ – „Is the water warm enough“? – „Yes, Lisa“ –
      „Shall We Begin? – „Yes, Lisa“. „Computer Blue“ mündet in Prince’ bis
      dahin kontroversestes Stück, in diesem Jahrhundert wäre es jedoch keine
      Erwähnung mehr wert, „Darling Nikki“. Für die Textzeile „I met her in a
      hotel lobby, masturbating with a magazine“ wurde der heute noch immer
      gebräuchliche „Warning! Explicit Lyrics!“-Sticker als Warnhinweis 1984
      eingeführt. Dafür dürften Prince tausende Rapper dankbar sein, die mit
      dem „Warning“-Label seitdem ihre Gefährlichkeit unter Beweis stellen
      möchten.

      Der Paisley Park rief
      Das auffälligste unter den neun Liedern ist natürlich „When Doves Cry“,
      Prince’ bis heute größter Single-Hit: Das Stück kommt ohne Bass aus,
      tanzbar wird es durch den knarzenden Rhythmus, den der Musiker auf
      seiner Linn-Drummachine programmierte. Im dazugehörigen Video kletterte
      der Mann in Zeitlupe aus einer Zeitlupe aus einer Badewanne. Der Erfolg
      von „Purple Rain“ ermöglichte Prince die Umsetzung ehrgeiziger Pläne.
      Kinofilme, dazu die erste Welttournee. Nicht zuletzt schuf das Geld die
      Voraussetzung für den eigenen Tonstudiokomplex namens Paisley Park, der
      1988 in Minneapolis eröffnete. So entstanden die genialischen
      Leistungen, wie wir sie an Prince schätzten.

      Seine echte Blütezeit sollte erst noch kommen, nach „Purple Rain“. In
      der zweiten Hälfte der 1980er landete Prince einen Volltreffer nach dem
      anderen. Er präsentierte jedes Jahr eine Neuentwicklung, musikalisch wie
      auch optisch, wie sie davor nur die Beatles zustande brachten. Kein
      Künstler hat seitdem in so kurzer Zeit eine derartige Vielseitigkeit
      bewiesen. Eine Phalanx an Alben und Projekten, viele davon
      unveröffentlicht, die zum besten gehören, was je aufgenommen wurde:
      „Around The World In A Day“, „Parade“, „Roadhouse Garden“, „Crystal
      Ball“, „Camille“, „Sign O’ The Times“„The Black Album“ und „Lovesexy“.
      Die Musik war Indien, Paisley, drohender Atomkrieg, ein Gerichtstermin
      vor Gott, Wrecka Stow, die Venus von Milo, Identitätskrise, Bondage,
      Jazz, Cindy Crawford, ein Thunderbird. Zwischen 1985 und 1988 war Prince
      unschlagbar.

      rollingstone.de/reviews/prince-purple-rain-1984/
      Ich aber gelobte mir,
      mich niemals abstumpfen zu lassen
      und den Vorwurf der Sentimentalität
      niemals zu fürchten.

      Albert Schweitzer